Die 4. Owinger Musiktage waren Balsam für die Seele

Als nach zwei Jahren der Dürre die ersten Saiten-Klänge erwartungsvolle Stille im kultur|o durchbrachen, da war es, als ob Frühlingsknospen durch müdes Erdreich stießen und das Grau der Landschaft in eine üppige, lustvolle Farbenpracht verwandelten. Die Musik des Barockkünstlers Antonio Vivaldi erfreute nicht einfach die Herzen, sondern sie war Balsam für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich lange nach einem solchen Genuss, nach Aufatmen gesehnt zu haben schienen.  


Möglich machten dies am ersten Abend der dreitägigen Owinger Musiktage die Pianistin Lida Panteleev, Martin Panteleev (Violine), Alexander Dimitrov (Violoncello), Laurent Tardat (Viola), das junge Talent Florentin Schüb (Violine) und ganz besonders der Stargast László Fenyö. Der Professor an der Hochschule für Musik in Karlsruhe gewann vor über 15 Jahren neben vielen anderen Preisen den Internationalen Pablo-Casals-Wettbewerb und ist seither einer der führenden Cellisten seiner Generation. Mehrmals trat er unter der Leitung des berühmten polnischen, vor zwei Jahren verstorbenen Komponisten Krzysztof Penderecki auf. Nun war es dem Künstlerehepaar Lida und Martin Panteleev gelungen, den gefragten Solisten nach Owingen zu holen.


Beim Spiel auf dem Cello des venezianischen Geigenbauers Matteo Goffriller aus dem Jahre 1695 schien László Fenyö mit seinem Instrument regelrecht zu verschmelzen. Beide wirkten wie eine untrennbare Einheit. Und so berauschte Joseph Haydns Cellokonzert No. 1 in C-Dur das Publikum so sehr, dass sich László Fenyö bemüßigt fühlte, unabhängig vom Programm noch Bach zu spielen, „zum Runterkommen“, wie er sagte.


War die erste Halbzeit von barocker Leichtigkeit geprägt, so änderte sich dies nach der Pause mit César Francks Klavierquintett in f-Moll - ein Stück voller Dramatik, voller gegensätzlicher Empfindungen. Vielstimmig, vielschichtig, herausfordernd. Martin Panteleev stellte dem Publikum die Geschichte des Werkes vor, das für den französischen Impressionisten Claude Debussy “die wahre Musik” darstellte, Camille Saint-Saëns dagegen, dem César Franck das Werk widmen wollte, wenig erfreute. Bei der Uraufführung am 17. Januar 1880 in Paris schlug er die Widmung deshalb aus. Die Musiker schälten Francks Wildheit und Zartheit, die Gefühle der Melancholie, Trauer, Zorn und Versöhnung, die die letzten zwei Jahre charakterisierten, so hervorragend heraus, dass das Publikum vielleicht auch deshalb die Darbietung mit starkem Applaus und Bravo-Rufen goutierte.


Endete der erste Abend der Owinger Musiktage mit diesem dramatischen Stück, so begrüßte Martin Pantaleev am nächsten Tag das Publikum mit dem ruhigen, kontemplativen “Ave Maria” von Giulio Caccini aus dem 16. Jahrhundert. Es folgten Mozarts Sonate für Klavier und Violine in G-Dur, das Scherzo Johannes Brahms` und Tschaikowskis „Serenade Melancolique“.


„Das Scherzo ist alles andere als ein Scherz, besonders nicht für das Klavier, das die ganze Struktur durchführen muss“, wies Martin Panteleev auf den musikalischen Anspruch Brahms` hin. Er bedankte sich deshalb unter großem Beifall des Publikums bei Lida Panteleev. Doch auch Martin Panteleevs Stunde kam mit Ravels „Rhapsodie de Concert Tzigane“: „Mit 16 habe ich begonnen, das Stück zu studieren. Heute - zehn Jahre später - muss ich sagen, dass Ravel uns Geigern das Leben ziemlich schwer gemacht hat“, sagte der Künstler humorvoll.  


Der zweite Abend schloss mit Dvoraks Klaviertrio No. 4 op. 90 in e-Moll (Dumky-Trio). Das Wort „Dumky“, so erklärte Panteleev, stamme vom slawischen Wort dumka ab und bedeute „Gedanken“. Und so hielt Dvorak das Dahinfließen von Gedanken mit all den verbundenen Emotionen musikalisch fest, virtuos wiedergegeben von Alexander Dimitrov, Lida und Martin Panteleev. „Die Schönheit des Violoncellos von Alexander können wir im 4. Satz erleben“, erläuterte Panteleev, unter dessen Leitung die Owinger Musiktage standen. Er wies darauf hin, dass Dimitrovs Instrument 1740 von der berühmten Geigenbauerfamilie Testore gebaut wurde. Langanhaltender Applaus zeigte, wie sehr nicht nur Dvoraks Stück das Publikum gefesselt hatte. Gabi Gerdau, ebenfalls Künstlerin, berührte es zutiefst, den nicht enden wollenden Beifall zu hören: „Das haben wir alle viel zu lange entbehren müssen.“


Der Sonntag stand unter anderem im Zeichen des Tangos, stand im Zeichen der Werke Astor Piazollas und Manuel de Fallas. Zum wiederholten Male war Nikola Milo der Einladung der Panteleevs gefolgt. Wie immer überzeugte er mit Akkordeon und Bandoneon. Gefühlvoll spielte Martin Panteleev die „Meditation“ Jules Massenets und erlaubte den Zuhörern, zur Ruhe zu kommen. Sehr viel Beifall erhielt auch Lida Panteleev.


Mit den Worten „Jetzt nähern wir uns dem offiziellen Ende des Konzerts“ leitete der Künstler zu  Béla Bartók über. Er schilderte, wie der ungarische Komponist eines Tages einen Markt besucht hatte und seine Eindrücke in den „Rumänischen Volkstänzen“ festhielt. Anschaulich gab Martin Panteleev mit seiner Geige zunächst das Scharren der Hühner auf dem Markt und das Tapsen eines Bären wieder - so gut, dass Nikola Milo scherzhaft fragte: „Hat dir das der Bartók selber erzählt?“


Ein rumänischer Hochzeitstanz und der bekannte Csárdás des italienischen Komponisten Vittorio Monti als Zugabe tröstete das Publikum vielleicht nur etwas darüber hinweg, dass drei Tage mit wunderbarer Musik zu Ende gegangen waren. Doch die Panteleevs versprachen eines: die 5. Owinger Musiktage im kommenden Jahr.


Sie bedankten sich sowohl bei den Mitgliedern des Owinger Kulturkreises als auch bei den Sponsoren, die die 4. Owinger Musiktage mit ermöglichten: der EnBW, der Sparkasse, dem Ingenieurbüro Gförer, den Innovendia Consulting Services, der Tankservice GmbH Lichtblau sowie Zahntechnik Weber. In diesen Dank bezieht der Owinger Kulturkreis Andrea Benz mit ein, ebenso Daniela Mayer für die Verpflegung der Künstler, Licht- und Tontechniker Klaus Stark sowie den Hausmeister Dirk Bilski.


Der Erfolg der Veranstaltung zeigte: Die Owinger Musiktage haben sich etabliert, sind zu einem Wohlfühl-Faktor geworden.
Das sieht auch Angela Zyla so, eine der zahlreichen begeisterten Gäste. Sie erzählte nach der Vorstellung, dass sie während eines Urlaubes in Sofia ein Weihnachtskonzert besucht hatte. Zutiefst beeindruckt war sie damals von der Kunst Martin Panteleevs, der vor über tausend Zuhörern dirigierte. „Damals war ich in Sofia, und heute muss ich nur von Überlingen nach Owingen fahren, um Martin Panteleev zu hören“, freute sich Angela Zyla.

Text: Angelika Thiel, Fotos: Roger Ederer

Impressionen vom 11.03.2022 den vierten Owinger Musiktagen

Impressionen vom 12.03.2022 den vierten Owinger Musiktagen

Impressionen vom 13.03.2022 den vierten Owinger Musiktagen

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